Aggressive Kinder

Einführung in die Thematik

Ein gewisses Maß an Aggression ist normal und gesund. Wenn Ihr Kind zum Beispiel zornig reagiert, wenn Ihm ein anderes Kind im Sandkasten das Spielzeug wegnimmt, ist dies ganz normal und angemessen. Wenn jedoch mehrmals am Tag unkontrollierte Wutausbrüche erfolgen, ihr Kind andere Kinder oder Erwachsene beißt, tritt oder schlägt, sollte man hellhörig werden und nach den Ursachen forschen.

Entwicklung der Kindesagressivität

Zwei- bis dreijährige Kinder befinden sich in der sogenannten Trotzphase, in der sich das Kind bewusst wird, das nicht alle seine Bedürfnisse automatisch erfüllt werden und es eigene Wege gehen möchte. Wichtig ist es, den Kreislauf von eigenem Verhalten und dem Verhalten des Kindes zu durchbrechen. Wenn ich mein Kind ebenfalls anschreie oder ausschimpfe, dann wird sich zwar kurz eine Entlastung einstellen, da das Kind wahrscheinlich mit seinem Verhalten aufhört. Langfristig bauen sich dadurch aber weitere Spannungen auf, die Gegenaggressionen erzeugen. Der Kreislauf schließt sich. Statt das Kind anzuschreien, sollte man es beruhigen und in den Arm nehmen. Auch hilft Ablenkung: Der Trick ist, zu wissen, dass sich das Kind spätestens in wenigen Sekunden langweilen wird. Wer dann rechtzeitig für Ablenkung sorgt und es etwa bittet, die Waren aufs Laufband zu legen, bleibt vom Wutanfall verschont. Manche Eltern lassen sich kommentarlos von ihren Kleinen treten, weil Sie der irrigen Annahme folgen, dass man solches negative Verhalten am besten ignorieren sollte. Jedoch ist bis ins Alter von drei Jahren Aggression nicht nur Abwehr, sondern auch eine Form der Kontaktsuche. So ignorieren sie damit aber das ganze Kind. Damit wird sein Bedürfnis, im Mittelpunkt zu stehen und deshalb auf diese unerwünschte Art Kontakt aufzunehmen, noch größer. Also sollten die Eltern ihr Kind besser wahrnehmen und eine Ablenkung anbieten: "Hör auf damit, das tut mir weh. Ich unterhalte mich noch fertig, aber du darfst dort auf der Wiese Blumen pflücken."

Frustrationstoleranz

Generell ist die Frustrationstoleranz bei den Kleinen noch nicht stark ausgeprägt. Kommen Müdigkeit oder Stress dazu, sinkt sie noch weiter. Umso wichtiger, dass Eltern ihren Kindern beistehen und ihnen helfen, zu lernen, mit ihren Emotio­nen besser klarzukommen. Manche Kinder gehen von sich aus ein paar Schritte weg oder aus dem Raum. Diesen Abstand brauchen sie dann, und man sollte sie lassen. Trotzdem müssen Eltern signalisieren: Ich bin für dich da. Sobald das Kind die schlimmsten Minuten überstanden hat, sollten ­Eltern ihm anbieten, es in den Arm zu nehmen und zu trösten. Kein Kind gerät absichtlich in solche Situationen. Deshalb bitte niemals schimpfen oder drohen. Nicht während eines Trotzanfalls und nicht danach. Ein Kind ist durch diese Situationen häufig sehr verunsichert. Deshalb müssen die Großen ihm dann Halt geben und es nicht noch mit hartem Ton verängstigen. Wenn Kinder jedoch im Wutanfall hauen und treten, gibt es keine Kompromisse, sondern ausschließlich ­klare Worte. Wenn der Wutzwerg auf die Eltern einhaut oder tritt, muss sofort deutlich gemacht werden, dass das nicht geht. Kinder können in diesem Alter ­ihre Affekte noch nicht regulieren, das heißt, dass das Zweijährige in diesem Moment nicht sofort mit dem Hauen aufhören kann. Deshalb: Hand vorsichtig festhalten, in die Augen schauen und nach dem Anfall noch einmal deutlich sagen, dass niemals gehauen oder getreten wird und dass das wehtut. Um nicht selber die Nerven zu verlieren, sollten die Eltern bei einem Wutanfall der Kinder innerlich bis zehn zählen und sich denken: „Ach, es hat wieder einen Rappel.“ Sie müssen es schaffen, die Situation von außen zu sehen und sie nicht persönlich nehmen. Ist der Anfall vorbei, können die Eltern den Trotz personalisieren: "War wieder dieses wütende Böckchen da? Bin ich froh, dass es wieder weg ist." Da fühlt sich das Kind nicht in seiner Persönlichkeit angegriffen, die es ja gerade erst entdeckt. Es merkt, es wird mit seinen Gefühlen angenommen, nur die Art und Weise, wie es diese äußert, ist nicht in Ordnung.

Hilfreiche Links: 

Süddeutsche Zeitung: Aggression ist eine Form der Kontaktsuche: Zum Fachartikel "Kinder und Aggressivität"

Baby und Familie: Trotzphase – wie gehen Eltern damit um? Zum Fachartikel "Umgang mit trotzigen Kindern"

Jesper Juul: Eltern müssen Aggressionen bei Kindern zulassen: Zum Fachartikel "Aggressivität zulassen"

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