Bettnässer

Fotograf: Rainer Sturm / pixelio.de

Definition Bettnässer (Enuresis)

Der genaue Zeitpunkt, wann ein Kind nachts nicht mehr einnässt, lässt sich nicht bestimmen. Voraussetzung, um nicht mehr einzunässen, ist die Fähigkeit der Abstimmung zwischen Gehirn und Blase. Der medizinische Begriff für „Bettnässer“ lautet Enuresis. Von einer Enuresis spricht man, wenn das Kind ab dem 5. Lebensjahr mindestens 2 Nächte im Monat einnässt. Man unterscheidet zwischen primärer und sekundärer Enuresis. Bei einer primären Enuresis war das Kind noch nie trocken, wohingegen bei einer sekundären Enuresis das Kind mindesten 6 Monate nachts trocken war und dann wieder regelmäßig sein Bett einnässt. Diese Form der Enuresis ist seltener.

 

Ursachen des Bettnässens

Bei den Ursachen für das nächtliche Einnässen ist zu betonen, dass die „Schuld“ nicht beim Kind liegt. Oft liegt bei einer primären Enuresis eine Entwicklungsverzögerung vor. Das Kind ist dann noch nicht in der Lage seinen Urin nachts zurückzuhalten bzw. bei Handrang wach zu werden. Diese Entwicklungsverzögerung kann bis zum 10. Lebensjahr anhalten.

Des Weiteren kann eine primäre Enuresis hormonell bedingt sein. Das antidiuretische Hormon Vasopressin steuert den Tag-Nacht-Rhythmus der Urinproduktion und bewirkt, dass man nachts einen geringeren Harndrang hat. Fehlt dieser Botenstoff, so bleibt der Harndrang Tag und Nacht gleich.

Ein weiterer Grund für eine primäre Enuresis kann ein sehr tiefer Schlaf sein. Die Blase meldet, dass sie voll ist, aber das Kind wacht nicht auf. Der Schließmuskel kann den Urin nicht länger halten und es kommt zur Einnässung.

Des Weiteren kann bei einer primären Enuresis auch eine organische Ursache, wie z. B. eine Harninfektion oder Fehlbildung der Harnwege, vorliegen.

Oft liegt eine Veranlagung zur primären Enuresis vor, die das Entstehen der oben genannten Ursachen begünstigt.

Auch die sekundäre Enuresis kann die gleichen Ursachen wie die primäre Enuresis haben. Möglich sind aber auch Ursachen von außen wie z. B. psychische Ursachen wie einschneidende Erlebnisse, große Entwicklungsschritte oder schwere Krankheit. Dem Münchner Psychologen und Kinder- und Jugendtherapeuten Jürgen Wolf zufolge stehen betroffene Kind tagsüber unter Druck, der sich nachts buchstäblich „entleert“.

 

Auswirkungen des Bettnässens auf Kinder

Kinder mit einer Enuresis verspüren keine Schmerzen, aber sie leiden unter einer psychischen Belastung. Diese führt dazu, dass sich das Selbstvertrauen des Kindes verringert und es Minderwertigkeitsgefühle entwickelt. Oft sind diese Kinder für das Thema „Bettnässer“ hochsensibel. Sobald sie meinen bei ihren Eltern deswegen die kleinste Enttäuschung wahrzunehmen, empfinden sie diese als Strafe.

Ohne professionelle Hilfe können sowohl die primäre wie auch die sekundäre Enuresis, nach Wolf, zu einer chronischen Krankheit werden.

 

Therapieformen für Bettnässer

Je nach Ursache der Enuresis gibt es verschiedene Therapieformen.

In der Verhaltenstherapie wird die Kontrolle über die Blase trainiert. Durch das Führen eines „Tagebuches“ wird die Wahrnehmung des Kindes für die Signale der Blase sensibilisiert.

Eine weitere Methode nach der Kinderpsychologin Stein sind Fantasiereisen durch den eigenen Körper.

Entspannungsübungen vor dem Zubettgehen können helfen eventuellen Druck vor dem Schlafen abzubauen.

Eine weitere Therapie ist die apparative Konditionierungsbehandlung. Diese hat zum Ziel das Kind zu wecken, z. B. durch Klingelmatten oder -hosen, sobald Feuchtigkeit entweicht. Das Kind soll so nach und nach lernen im Schlaf auf die Signale selbst zu achten.

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit der medikamentösen Therapie. Der Wirkstoff Desmopressin entspricht dem körpereigenen Hormon Vasopressin. Dieser Wirkstoff bewirkt eine Verringerung des nächtlichen Harndrangs.

Alle Therapieformen sollten auf jeden Fall unter professioneller Absprache erfolgen.

 

Tipps rund um das Thema Bettnässen

Kein Kind nässt sein Bett absichtlich ein! Das bedeutet, dass Schimpfen oder gar Bestrafen des Kindes völlig nutzlos sind und sich negativ auf die gesamt Situation auswirken.

Viel wichtiger sind Geduld, Ruhe und Verständnis für die Lage des Kindes. Eventuell verlorenes Selbstvertrauen kann so wieder aufgebaut werden. Es ist wichtig, dass man offen mit dem Thema „Bettnässer“ umgeht. Wenn eine Veranlagung in der Familie liegt, sollte das offen zugegeben werden. Das stärkt das Selbstvertrauen des Kindes.

Um Nerven- und Arbeitsbelastungen abzuschwächen, hat das deutsche grüne Kreuz praktische Tipps entwickelt, die unter der Webseite http://dgk.de/meldungen/schon-wieder-aeurzpipiaeuroe-im-bett-bettnassen-tipps-fa14r-eltern.html zusammengefasst sind. 

Sobald das Kind mit der Situation unglücklich ist, sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

 

Hilfreiche Links zum Bettnässen

Initiative Trockene Nacht: Zum Fachartikel Bettnässen

Familie.de: Enuresis: Zum Fachartikel Bettnässen

Netdoktor: Enuresis: Zum Fachartikel Bettnässen

Autor
  • Miriam Cordes
  • Beruf: Diplom Pädagogin
Veröffentlichung
  • Kiggi
  • bei: Kiggi
  • am: 11.10.2016
  • Erzieher und Eltern
  • Kategorie: Kinder
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