Aggressive Kinder in der Kita

Die Zahl aggressiver Kita-Kinder steigt

Die Zahl aggressiver Kinder nimmt in Deutschland rapide zu. Statistiken nennen jedes 5. Kind verhaltensauffällig. Bereits im Kindergarten zeigen sich imme häufiger Verhaltensauffälligkeiten. Es ist für viele Kinder selbstverständlich, sich mit Kratzen, Beißen und Schlagen zur Wehr zu setzen. Die Erzieherinnen sind diesen Kindern gegenüber sehr gefordert, denn die Aggressionen haben verschiedene Ursachen.

 

Definition "Aggressive Kinder"

Unter dem Befriff „Aggression“ versteht man ein von den Normen abweichendes Verhalten, das sich in verschiedenen Symptomen äußert. Es ist kein Zeichen für eine seelische Störung, wenn sich ein Kind ab und zu widerspenstig benimmt oder streitet. Aggressive Kinder sind solche, die ohne jeden sichtbaren Grund andere angreifen, schlagen, kratzen oder beißen.

Die offene Aggression wendet sich gegen die Person, die sie verursacht oder gegen Ersatzpersonen. Eine andere Form ist die versteckte Aggression. Diese wendet sich gegen sich selbst und äußert sich z.B. in Nägelkauen, das Kind reißt sich Haare aus oder es schlägt sich bewusst den Kopf an. Das Nägelkauen ist durch eine gegen sich selbst gerichtete Aggression geprägt: die Nägel werden so tief angefressen, dass, wie auch beim Nagelhautzupfen, ein schmerzhaft-wollüstiges Gefühl entsteht. Kalkmangel, der noch häufig als Ursache gilt, spielt eine ganz untergeordnete Rolle. Wer Nägel kaut, leidet an seelischer Verspanntheit, unterdrückter Aggressivität und Verbissenheit. Manchmal ist ein nägelkauendes Kind auch ein Daumenlutscher und seltener reißt es sich zudem die Haare aus. Die

 

Symptome aggressiver Kinder

Symptome können auch aufeinanderfolgen: erst Daumenlutschen, dann Nägelkauen. In schlimmsten Fällen, bei Jungen häufiger zu beobachten, werden durch das radikale Nägelabbeißen und Nagelbettkauen die Fingerspitzen beschädigt und deformiert, ohne dass das Kind deswegen mit dem Kauen aufhören könnte. Außer an Fingern kann auch an Gegenständen, Kleidungsteilen und Bettzipfeln gesaugt oder gekaut werden.

Außer in diesen Formen kann sich Aggression in verschiedenen Zerrformen zeigen. Manche Kinder nässen und koten bewusst ein, um so Aufmerksamkeit zu erzielen oder die Bezugsperson zu bestrafen. Diese muss z.B. den Schaden beheben. Einnässen (Enuresis) ist bei Kindem eine viel häufigere Erscheinung als man annimmt, da viele Kinder und Eltern es selbst ihren besten Freunden nicht erzählen. Es tritt altersabhängig auf und verliert sich im Laufe der Kindheit von selbst. Während etwa 16 % der 5jährigen noch oder wieder einnässen, sind es bei den 7jährigen nur noch etwa 7 % und bei den 14jährigen etwa 2 %. Von Einnässen als Störung spricht man dann, wenn ein Kind mit 4 Jahren noch nicht trocken ist. Obwohl viele Kinder schon im 3. Lebensjahr sowohl am Tag als auch nachts nicht mehr einnässen, hat man diesen relativ späten Zeitpunkt gewählt, weil bis dahin doch noch Kinder ihr Wasserlassen regulieren lernen. Einnässen kann als sogenannte „primäre Enuresis“ bestehen. Davon spricht man, wenn das Kind bisher nicht trocken wurde, das Einnässen kontinuierlich weiterbesteht. Als „sekundäre Enuresis“ bezeichnet man es, wenn nach einem Zeitpunkt von mindestens 6 Monaten, in dem das Kind seine Blasenfunktion kontrollieren konnte, nun wieder Inkontinenz eintritt. Außerdem wird nach dem Zeitpunkt das nächtliche Einnässen (Enuresis nocturna) vom Einnässen tagsüber (Enuresis diurna) unterschieden. Während es tagsüber nur bei 5 % der Enuretiker auftritt, ist das nächtliche Einnässen mit 80 % recht häufig. Die restlichen 15 % entfallen auch Kinder, die weder tags noch nachts ihre Blasenfunktion kontrollieren können. Der Einnässer „weiß“ eigentlich nicht recht, was er macht, darf sich unschuldig fühlen. Der Einkoter dagegen verfolgt seine „Missetat“ zumindestens teilweise mit dem Bewusstsein und ist wohl auch aktiver mit diesem daran beteiligt. Auch in einer großen Zerstörungswut äußert sich das Verhalten angriffslustiger Kinder. Auch durch Lügen und Stehlen äußert sich Aggressivität. Phantasielügen sind selbstverständlich keine Lügen. Aber im 4. Lebensjahr können Kinder zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden. Im allgemeinen lügt das Kind aus Angst, manchmal auch, um anderen etwas antun zu können („Wenn ich diesem Kind nichts tun kann, soll es wenigstens vom Erwachsenen bestraft werden, so kann ich mich rächen!“). Hier handelt es sich um eine Zerrform der Aggression. Wenn ein Kind eine Tat nicht mit voller Überlegung getan hat, erkennt es diese oft nicht an. Vom Schulalter ab aber kann das Lügen durchaus Symptom eine Verhaltensstörung sein, weil hinter ihm tieferliegende seelische Probleme verborgen sein können. Dies gilt auch für`s Stehlen, für das nicht immer Verwahrlosung, d.h. mangelndes oder falsches Vorbild verantwortlich zu machen ist. Dies sind starke psychische Belastungen. Lügen und Stehlen sind Hilferufe und Alarmzeichen einer Verhaltensstörung. Oft sind solche gestörten Kinder besonders hinterlistig.

 

Ursachen aggressiver Kinder

Die Ursachen für aggressives Verhalten entstehen oft durch Beobachtung und Nachahmung. Vor allem die Eltern, die viel streiten, die ihre Kinder ungerecht behandeln und sie sogar schlagen, sind unter anderem die Gründe für Störungen ihrer Kinder. Auch andere Bezugspersonen können Vorbild sein. Die Erzieherin, die sich mit einem sozial nicht angepassten Kind mehr beschäftigt, kann dazu beitragen, das Fehlverhalten nachzuahmen, um selbst mehr Zuwendung und Aufmerksamkeit zu bekommen. Natürlich tragen in der heutigen Zeit auch die Massenmedien z.B. Fernsehen, Computer, Zeitschriften usw. mit zu Aggressivität bei. Spezielle Kindersendungen sind nicht gewaltfrei und inspirieren zur Nachahmung.

 

Behandlung aggressiver Kinder

Um diesen verhaltensauffälligen Kindern zu helfen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Eine Maßnahme ist die Familientherapie, dabei werden die Probleme analysiert, Reizbedingungen, soziale Beziehungen, Motivationen erarbeitet und eine Therapieplanung festgelegt. Bei dieser Behandlung sind alle Familienmitglieder gefordert. Oft hilft es dem betroffenen Kind auch, verschiedene Entspannungstechniken zu lernen und auch anzuwenden. Ebenfalls eine Möglichkeit bieten therapeutische Puppenspiele. Das Kind kann in eine Rolle schlüpfen und so seine Aggressionen ausleben, ohne andere Kinder oder Personen persönlich zu treten. Auch heilpädagogische Maßnahmen wie Rhythmik, Spieltherapie und Übungsbehandlungen können angewandt werden, um den betroffenen Kindern Hilfe anzubieten.

Nachdem in der heutigen Zeit bedingt durch das Überangebot der Massemnedien und die familiären Verhältnisse (Arbeitslosigkeit, Überforderung der Eltern, enge Wohnungen, wenig Spielmöglichkeiten usw.) oft keine guten Voraussetzungen für die Entwicklung der Kinder gewährleistet ist, sollte gerade im Kindergarten ruhige, ausgeglichene, liebevolle und gerechte Atmosphäre geschaffen werden, um den Kindern möglichst wenig Anlaß zur Aggression zu geben.

 

Literaturangaben zum Thema "aggressive Kinder"

  • „Kinder von aggressiv bis zerstreut“; von Emil E. Kobi/Heidi Roth; erschienen im Herder Verlag
  • „Schwierige Kinder besser verstehen“; von Dr. Med. Ursel Mielke; erschienen Midena Verlag
  • „Verhaltensstörungen im Kindergarten“; von Johanna Schepping; erschienen im Auer Verlag

 

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