Personal und Führung

Der nachstehende Artikel wurde Kiggi von Wolters Kluwer Software und Service GmbH freundlicherweise zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt.

 

Den Blick auf sich und die anderen gerichtet

Eine Kita zu leiten, ist eine knifflige Aufgabe. Als Leitungskraft steht man zwischen vielen „Fronten“. Hier die Erwartungen des Trägers, dort die der Eltern und Kinder und nicht zuletzt die des Teams. Da will die eigene Arbeit gut reflektiert sein. Erfahrungen einer Leiterin.

knapp dreieinhalb Jahre sind vergangen seit Anja Urlaub den Sprung in die Verantwortung wagte, eine Kita zu leiten. Eine kirchliche Einrichtung in Bonn. Auf vieles fühlte sie sich gut vorbereitet. Schließlich hatte sie als Erzieherin Anschauungsunterricht genossen. Hatte erlebt, wie ihre früheren Chefinnen ihre Rolle verstanden und lebten. Sie sah einiges Nachahmungswürdiges und manches, das sie anders machen wollte als frischgebackene Kita-Leiterin.

Wie will ich mit meinen Mitarbeiterinnen („Ja, es befindet sich kein Mann darunter – leider“) umgehen? Diese Frage hatte sich die heute 45-jährige zuvor gestellt. Und hatte Antworten gefunden. „Entscheidend ist die Kommunikation mit dem Team, zu dem ich ja auch gehöre“, sagt Urlaub. Und beschreibt damit schon einen Spagat, der täglich gelingen muss. Sie ist einerseits Leitungskraft und gleichzeitig Teammitglied. Der Rollenmix erfordert Reflexion. „Wenn ich wegen personeller Engpässe mal drei Wochen lang in einer Gruppe aushelfe, muss ich darauf achten, dass in den anderen Gruppen nicht der Eindruck entsteht, ich sei nur für die anderen da“, berichtet sie.

 

Positive Rückmeldung – nicht nur Kritik

Kommunikation bedeutet für Anja Urlaub, im Gespräch mit der „Mannschaft“ zu bleiben. Zuzuhören, nicht nur Dinge zu kommentieren, die nicht gut laufen. Positive Rückmeldungen zu geben. Die dreieinhalb Jahre sind wie im Flug vergangen. Wie ein „alter Hase“ fühlt sich die Frau, die davon überzeugt ist, „dass man diesen Job nur mit Idealismus und Liebe zum Menschen annehmen kann“ lange nicht. Sie lernt hinzu. „Ich würde mir heute mehr Notizen über Vorgänge im Team machen. Später erinnert man sich nicht und kann nur vage Angaben machen, wenn es einmal zu Auseinandersetzungen kommen sollte“, meint sie. Schließlich kann sie im Ernstfall Mitarbeiterinnen ermahnen, nicht aber abmahnen. Das ist Sache des Trägers. Und der braucht dafür „Futter“.

Soweit aber soll es, geht es nach Anja Urlaub, gar nicht kommen. Darum steht die Kommunikation für sie ganz oben auf der Prioritätenliste, wenn es um die Gestaltung des Alltags geht. Sie denkt an die Integration von und den Umgang mit Kindern unter drei Jahren. Gemeinsam mit dem Team und einem Mediator wurden Wege ergründet, welche Gruppeneinteilung für die Kinder, welche aber auch für die Erzieherinnen gut ist.

 

Transparenz fördert Teamgedanken

„Als Leiterin muss ich mir immer auch die Frage stellen, wie mein Team etwas mit- und ertragen kann“, verlangt Urlaub von sich. Und diese Frage gilt es, immer wieder aufs Neue zu stellen und zu beantworten. Und sie meint: „Wenn ich mein Team mitnehmen möchte, dann muss ich möglichst große Transparenz an den Tag legen, Fakten und Hintergründe erläutern, frühzeitig mit dem Team planen.“

Kommunikation, Transparenz und Mitbestimmung aber bedeuten für sie nicht, ihre eigenen Vorstellungen zu verleugnen: „Manchmal muss man eben auch sagen, so wird es gemacht.“ Anja Urlaub war sich bewusst, dass und welche große Verantwortung sie mit der Leitung einer Kita über- nehmen würde. Nicht geahnt hat sie „wie einsam es manchmal im Büro ist und wie viel Verwaltungsarbeit auf mich einstürzt.“ Bestärkt haben sie die ersten Jahre in ihrer Leitungsfunktion darin, wie wichtig die Kompetenz ist, „auch sich selbst immer wieder zu hinterfragen.“

 

Zwei Fragen an

Katharina Glaese
 Leiterin Krabbelkiste AWO Göttingen gGmbH

KiTa-aktuell.de: Wie gehen Sie auf Eltern zu?

Katharina Glaese: Wir bauen auf einen vertrauensvollen Kontakt, lange bevor ein Kind zu uns kommt. Denn wir bieten jeden Monat einen Infonachmittag für „neue“ Eltern und ihre Kinder. Manche kommen schon während der Schwangerschaft. Sie schauen sich alle Räume an, dürfen die Dinge anfassen, den Schlafraum kennenlernen.

KiTa-aktuell.de: Wie lösen Sie Schwierigkeiten in der Kooperation und Kommunikation mit Eltern?

Katharina Glaese: Anfangs fehlt mit- unter die Offenheit. Sie aber ist Voraussetzung, damit wir uns optimal um jedes einzelne Kind kümmern können. Denn die können uns ja noch nicht erzählen, was sie sich wünschen – höchstens zeigen. Nach der Entscheidung, welche Kinder aufgenommen werden, steigern wir die Intensität der Elternkontakte. Es gibt einen Kennenlernnachmittag bevor das neue Kita-Jahr startet. Zu Beginn des ersten Kita-Jahres führen wir ein 45- bis 60-minütiges Erstgespräch. Wir hören die Erwartungen und Hoffnungen der Eltern. Sie lernen unsere Ansichten und Methoden kennen. Wir sind sicher, dass wir ein Kind nur verstehen, wenn wir seine Familienverhältnisse verstehen. Wir haben immer, wenn Eltern es wollen, Zeit für sie. Wir legen Wert darauf, dass morgens und nachmittags bei der Übergabe Zeit für Gespräche bleibt. Dabei erzählen wir Anekdoten, die deutlich machen dass Paul eben das Individuum Paul ist und wir ihn so auch wahrnehmen.

Autor
  • Anja Urlaub
  • Beruf: Kita-Leitung
  • arbeitet für: Kirchliche Einrichtung in Bonn
Veröffentlichung
  • Kiggi
  • bei: kita-aktuell.de, Wolters Kluwer
  • am: 01.01.1970
  • Kitas und Kita-Leitungen
  • Lizenz: Wolters Kluwer Deutschland GmbH
  • Kategorie: Kita und Krippe
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