Flüchtlingskinder in Deutschland

Fotograf: Susanne Hammel / pixelio.de

Inklusion durch Geborgenheit und klare Strukturen

Die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund ist für Kita-Leitungen und ihre Teams längst Alltag. Nun kommen Flüchtlingskinder hinzu. Eine besondere Herausforderung?!

 

Die vierjährige Leila besucht seit kurzem eine städtische Kita im Oberbergischen Kreis. Sie musste mit ihren Eltern aus Syrien flüchten. In die Kita geht sie gerne, da sie sich täglich auf „meine Freundinnen“ in der Gruppe freut. „Meine Freundinnen“ – die Worte kommen dem Mädchen schon leicht über die Lippen, doch ihr Wortschatz befindet sich noch im Aufbau. „Sie ist eine Bereicherung für uns alle“, berichten übereinstimmend die Leiterin der Kita und die Erzieherinnen. Sie haben sich auf den Moment, als das erste Flüchtlingskind zu ihnen kommen sollte, gut vorbereitet, wollten besonders sensibel mit ihm umgehen. Schließlich wusste niemand, ob und mit welchen seelischen Verletzungen die Vierjährige zu leben und kämpfen hat.

Integration von Flüchtlingskindern ist ein, wenn nicht das Thema dieser Monate für Kita-Leitungen. Wie bereite ich mich und mein Team vor? Welche Informationen benötigen die Eltern? Was ist mit der Sprache? Wie gehen wir mit traumatisierten Kindern um? Die Bonner Kinder- und Jugendlichentherapeutin, Elvira Chevally, erläutert, was Kinder nach Flucht und Kulturwechsel benötigen: „Geborgenheit, Verlässlichkeit, klare Strukturen und Regeln.“

 

Chance, aus der Isolation zu kommen

Leila hat, auch dank der guten Vorbereitung ihrer Kita-Leitung, all das gefunden. Die Leitung nutzte externe Unterstützung, die in den Bundesländern und Kommunen angeboten werden.So wie in Brandenburg: Das Land fördert ein Fortbildungs- und Beratungsangebot für die Kita-Teams vor Ort, bei dem die Einrichtungen unter anderem Unterstützung in Fragen des Umgangs mit unterschiedlichen Kulturen und Sprachen, zur Gestaltung eines integrativen Settings oder zur Elternarbeit abrufen können.Doch auch dort weiß man: Nicht für jedes Flüchtlingskind ist eine klassische Kitabetreuung angebracht. Für manche kann auch eine nur zeitweise Trennung der Kinder von ihren Eltern problematisch sein. Caritas-Präsident Dr. Peter Neher ist allerdings überzeugt: „Der Besuch einer Kita ermöglicht es den Kindern, regelmäßig aus der Isolation der Gemeinschaftsunterkünfte herauszukommen. Viele dieser Kinder werden dauerhaft in Deutschland bleiben. Das Lernen der deutschen Sprache und die Bildungsangebote in der Kita unterstützen die frühe Integration der Kinder.“Eines Tages, da sind sich die Leitung und ihr Team ihrer Kita sicher, wird Leila solch eine Aussage unterstreichen.

 

Stichwort Flüchtlingskinder (Zahlen und Fakten)

Die genaue Zahl asylsuchender Kinder unter sechs Jahren in Deutschland kann niemand exakt beziffern. Schätzungen zufolge liegt sie jedoch weit über 40.000. Rasant steigt auch die Zahl der von Eltern unbegleiteten Kinder. Der Grossteil der Flüchtlinge, die zwischen Januar und Ende

November einen Erstantrag auf Asyl stellten, stammt aus Syrien (33,8 %), gefolgt von Albanien (13,3 %), Kosovo (8,4 %) und Afghanistan (6,2 %). Insgesamt nahm das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge im gleichen Zeitraum 392.028 Erstanträge auf Asyl entgegen.

 

Positiver Trend, aber zu wenig Personal in Kitas

Die Betreuungsverhältnisse in den Kitas haben sich in den vergangenen zwei Jahren in fast jedem Bundesland verbessert. Derzeit kommen auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft durchschnittlich 4,4 ganztags betreute Krippenkinder oder 9,5 Kindergartenkinder. Zwei Jahre zuvor war eine Erzieherin durchschnittlich noch für 4,8 Krippen- oder 9,8 Kindergartenkinder zuständig. So das Ergebnis des „Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme“ der Bertelsmann Stiftung.

Die besten Personalschlüssel haben inzwischen die Kitas in Baden-Württemberg. 3,1 Krippenkinder und 7,7 Kindergartenkinder kommen hier auf eine Erzieherin. Das ist der bundesweit günstigste Wert und bedeutet eine deutliche Verbesserung gegenüber 2012, als die Personalschlüssel 1:3,5 und 1:8,6 betrugen. In den östlichen Bundesländern (1:6,1) müssen sich Erzieherinnen generell um deutlich mehr U3-Kinder kümmern als im Westen (1:3,6). Die Personalschlüssel für die Kindergarten- gruppen sind in den westlichen Bundesländern im Durchschnitt ebenfalls besser (West 1:8,9; Ost 1:12,4). Dafür ist der Anteil der Kinder unter drei Jahren in Kitas in den östlichen (46,6 Prozent) erheblich höher als in den westlichen Bundesländern (22,7 Prozent). 

 

Der Artikel wurde uns freundlicherweise zur Veröffentlichung von kita-aktuell.de zur Verfügung gestellt. 

 

Hilfreiche Links zu Flüchtlingskindern:

Fachartikel vom Niedersächsischen Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe): Fachartikel zu Flüchtlingskindern

Broschüre von Unicef zu Flüchtlingskindern in Deutschland: Unicef Broschüre zu Flüchtlingskindern

Flüchtlingskinder in Kitas bei bildungsserver.de: Umgang mit Flüchtlingskindern in der Kita

Inklusion gestalten - Aufgaben und Anforderungen an die Kita-Leitung: Zum Fachartikel bei kita-aktuell.de

Autor
  • www.kita-aktuell.de Expertenteam von Wolters Kluwer
Veröffentlichung
  • Kiggi
  • bei: KiTa Premiumnews Q1/2016
  • am: 01.01.1970
  • Kitas und Kita-Leitungen
  • Lizenz: Wolter Kluwers
  • Kategorie: Kinder
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