Kinderarmut in Deutschland

Fotograf: hajo steinsträßer / pixelio.de

Definition Kinderarmut

„Gemäß der Definition der Europäischen Union ist von Armut bedroht, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median) der Bevölkerung auskommen muss. Wer in Deutschland weniger als 11.530 Euro im Jahr verdient, gilt nach dem Stand des Jahres 2015 als armutsgefährdet.“ (Quelle: https://de.statista.com/themen/120/armut-in-deutschland/).

Derzeit leben laut einer Studie des deutschen Kinderschutzbunds über 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland in Armut. (http://www.dksb.de/CONTENT/SHOWPAGE.ASPX?CONTENT=459&TPL=0)

Das sind 19,4 % aller Personen unter 18 Jahren.

Besonders gefährdet sind laut Studie Kinder und Jugendliche, die bei allein erziehenden Elternteilen aufwachsen. Demnach wachsen 50% aller armen Kinder und Jugendlichen bei nur einem Elternteil auf. Der Grund hierfür liegt oft in der Organisation des Haushaltes. Trotz Arbeit liegen diese Familien oft unter der Einkommensgrenze, da sie, um Familie und Arbeit zu organisieren, oft im Niedriglohnsektor tätig sind. Ein weiterer Risikofaktor sind Familien mit drei und mehr Kindern. So kommen laut der Studie 36% aller armen Kinder und Jugendlichen aus Familien mit drei oder mehr Kindern.

Hinzu kommen häufig instabile Arbeitsverträge, steigende Kosten nach Trennung oder Scheidung, fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten usw.. Und somit ist auch das Kind materiell unterversorgt. Diese materielle Unterversorgung wirkt sich wiederum negativ auf die Entwicklung des Kindes aus.

 

Bildung:

Studien zeigen, dass der angestrebte Schulabschluss sehr stark von der sozialen Herkunft abhängt. Das Ziel, das Abitur als Schulabschluss zu erreichen, ist bei Familien mit einem hohen sozioökonomischen Hintergrund 4-mal höher als bei Familien mit einem niedrigen sozioökonomischen Hintergrund. Aber auch die betroffenen Kinder und Jugendlichen selbst blicken negativ auf ihre eigene Zukunft. Laut einer Shell-Studie sehen über 50% armer Kinder und Jugendliche für sich keine reale Chance ihre beruflichen Wünsche zu erreichen, trotz des Wissens um die Schlüsselfunktion von Bildung für den beruflichen Werdegang. Das bedeutet eine Verengung des Bildungsweges und somit eine geringe Einkommenserwartung für arme Kinder und Jugendliche.

 

Sozial-kulturelle Teilhabe:

Arme Kinder und Jugendliche haben auch eine geringe Teilhabe am sozial-kulturellen Leben. So sind sie nur selten Mitglieder eines Vereins (z.B.: Sportverein usw.), in Musikschulen oder anderen außerschulischen Bildungsangeboten. Der Grund hierfür sind oft die geringen finanziellen Mittel der Familien. Trotz des Bildungs- und Teilhabepakets (Kinder und Jugendliche mit Sozialanspruch, Kinderzuschlag, Wohngeld oder Anspruch auf Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz) wird das Ziel, die sozial-kulturelle Teilhabe der armen Kinder und Jugendlichen zu erhöhen nicht, erreicht. Gründe hierfür liegen z.B. darin, dass der Zugang zu diesen Geldern zu vorausetzungsvoll und bürokratisch ist und oft auch nicht ausreicht oder für andere Zwecke verwendet wird.

 

Wohnen und Wohnverhältnisse:

Eine sehr wichtige Rolle für die Entwicklung eines Kindes spielt sein Lebensraum. Er bildet seine Erfahrungswelt, beeinflusst sein Wohlergehen und somit seinen ganzen Lebenslauf.

Arme Kinder und Jugendliche leben oft in Stadtteilen mit sozialräumlicher Konzentration von Armut. Die Tendenz ist steigend. Diese Stadtteile sind oft gekennzeichnet durch schlechte Wohnbedingungen, wie z.B. schlechte bauliche Struktur und Ausstattung der Häuser und Wohnungen (nasse Wände), schlechte Infrastruktur (hohes Verkehrsaufkommen), hohe Umweltbelastungen, wenige bis keine Freizeitmöglichkeiten (Spielplatz, Wiesen usw.). Dieser Lebensraum von armen Kindern und Jugendlichen hat oft negative gesundheitliche Folgen. So kommt es zu einem vermehrten Aufkommen von Bronchitis, Lungenentzündung und Nasennebenhölenentzündung bei armen Kindern und Jugendlichen.

 

Krankheiten:

Wie am Ende des Abschnitts über die Wohnsituation von armen Kindern und Jugendlichen erwähnt, besteht ein Zusammenhang zwischen Armut und gesundheitlicher Entwicklung. Diese wirkt sich bis ins Erwachsenenalter aus. Gründe hierfür sind zum einen, wie oben beschrieben, die schlechten Lebens- und Wohnbedingungen, in denen arme Kinder und Jugendliche leben. Hinzu kommen oft eine ungesunde Ernährung aufgrund mangelnden Geldes, Mangel an körperlicher Bewegung und ein gering ausgeprägtes Gesundheitsverständnis und –bewusstsein. Diese Kombination führt zu einem erhöhten Auftreten von chronischen und psychischen Erkrankungen. Statistiken zeigen, dass ein niedriger sozioökonomischer Status das Risiko für einen schlechten Gesundheitszustand ca. um das 3-4-fache erhöht.

 

Fazit:

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Folgen von Armut bei Kindern und Jugendlichen oft schlechte Chancen auf einen guten Bildungsabschluss, eine stark eingeschränkte körperliche und gesundheitliche Entwicklung, schlechte Wohnbedingungen und eine geringe sozial-kulturelle Teilhaben sind. Aufgrund dieser Folgen, die sich zum Teil gegenseitig verstärken bzw. bedingen, geraten arme Kinder und Jugendliche früh in einen Teufelskreis der Armut, den sie nur schwer durchbrechen können.

  

Hilfreiche Links:

Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) über Kinderarmut: Fachartikel des bpb zu Kinderarmut

Taz.de – Das Elend der Kleinsten: Kinderarmut in Deutschland

Taz.de – Kein Herz für Kinder: Kinderarmut in Deutschland

Bertelsmann Stitung: Kinderarmut in Deutschland wächst

Deutscher Kinderschutzbund:Kinderarmut in Deutschland

 

Autor
  • Miriam Cordes
  • Beruf: Diplom Pädagogin
Veröffentlichung
  • Kiggi
  • bei: Kiggi
  • am: 24.11.2016
  • Erzieher und Eltern
  • Kategorie: Kinder
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