Sexuelle Gewalt an Kindern

Fotograf: Thorben Wengert / pixelio.de

Definition:

„Sexueller Missbrauch oder sexuelle Gewalt an Kindern ist jede sexuelle Handlung, die an oder vor Mädchen und Jungen gegen deren Willen vorgenommen wird oder der sie aufgrund körperlicher, seelischer, geistiger oder sprachlicher Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen können.“ (Quelle: https://beauftragter-missbrauch.de/praevention/was-ist-sexueller-missbrauch/)

Die Täter/Täterinnen nutzen dabei ihre Macht- und Autoritätsposition gegenüber den Kindern/Jugendlichen aus, um ihre eigenen Bedürfnisse auf Kosten der Kinder/Jugendlichen zu befriedigen.

Die Bandbreite sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist groß, aber sexuelle Gewalt verletzt die Kinder und Jugendlichen immer, auch wenn sie nicht immer strafbar ist. So beginnt sie bereits durch verbale Belästigungen oder flüchtige Berührungen der Genitalien oder Brust über der Kleidung, die wie zufällig aussehen, aber bereits eine Grenze überschreiten. Strafbarer Missbrauch sind dann z.B. sexuelle Handlungen am Körper des Kindes oder wenn sich ein Erwachsener entsprechend von Kindern anfassen lässt. Die schwersten Formen sind Vergewaltigungen jeder Art.

Bei Kindern unter 14 Jahren geht man grundsätzlich davon aus, dass sie diesen Handlungen nicht zustimmen können. Daher spricht man hier immer von sexueller Gewalt.

 

Symptome:

Die Folgewirkungen sexueller Gewalt an Kindern sind sehr unterschiedlich. So hängen sie z.B. davon ab, wie intensiv, wie lange usw. der Missbrauch stattgefunden hat. Sichtbare Verletzungen sind eher selten. Es gibt auch keine eindeutigen psychischen Auswirkungen, aber plötzliche Verhaltensänderungen des Kindes, wie z. B. plötzlich auftretende Ängste, Aggressivität, Leistungsabfall, Rückzugstendenzen, Konzentrationsschwächen oder sexualisiertes Verhalten, können Signale für sexuelle Gewalt am Kind sein. Ebenso können Kinder auch mit psychischen Störungen, wie z.B. Kopf- oder Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Essstörungen (Magersucht oder Fresssucht), Alkohol- und Tablettenmissbrauch oder Ausreißen usw., auf das Erlebte reagieren. Diese Verhaltensweisen sind aber nicht spezifisch als Reaktion auf sexuelle Gewalt zu sehen, sondern sie können auch andere Ursachen haben. Auf jeden Fall sollten Eltern und Bezugspersonen aufmerksam werden, da das Kind Probleme hat und Hilfe braucht.

Vor allem Mädchen fühlen sich fast immer schuldig. Dieses Schuldgefühl steigert sich, wenn sie die Nähe des Täters oder der Täterin selbst gesucht haben, z. B. im Internet.

Nähere Informationen zu den Folgen sexueller Gewalt an Kindern finden Sie im Internet unter http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/kinder-jugend-psychiatrie/risikofaktoren/sexueller-missbrauch/psychische-folgen/

 

Beispiele für besonders gefährdete Kinder:

Sexuelle Gewalt an Kindern findet in den seltensten Fällen spontan statt. Oft gehen Täter/Täterinnen gezielt und planvoll vor, indem sie die Verletzbarkeit und Schwächen der Kinder gezielt ausnutzen.

Besonders gefährdet sind z.B. Kinder, die bereits körperlich oder seelisch misshandelt worden sind. Diese Kinder haben ein besonderes Bedürfnis nach Nähe, Schutz und Zärtlichkeit. Durch das Erlebte haben sie auch die Fähigkeit verloren, eigene Grenzen zu spüren und sich gegen Übergriffe zu wehren.

Auch Kinder aus autoritären und hierarchischen Familien sind besonders gefährdet. Sie haben gelernt, dass man Erwachsenen unbedingten Gehorsam entgegenzubringen hat. Gerade Mädchen werden zur Unterordnung erzogen. Von Jungen wird Stärke erwartet. Beides führt dazu, dass diese Kinder Hemmungen haben, sich jemandem anzuvertrauen.

Ein weiteres Beispiel für besonders gefährdete Kinder sind die Kinder, die in ihrer Erziehung Sexualität als etwas „schlechtes“ oder als „Sünde“ vermittelt bekommen. Für sie ist das Erlebte „unaussprechlich“ und zutiefst peinlich.

Aber auch von Behinderung betroffene Kinder sind gefährdet. Da z. B. Kinder mit einer körperlichen Behinderung auf die Hilfe und Pflege durch andere angewiesen sind, sind sie oft nicht in der Lage ein ausgewogenes Körpergefühl zu entwickeln. Sie haben die Erfahrung gemacht, dass sie nicht selbst über ihren Körper bestimmen können. Hinzu kommt die Angst die notwendige Hilfe zu verlieren. Bei geistig behinderten Kindern bauen die Täter/Täterinnen darauf, dass sich das Kind nicht ausdrücken kann und somit nicht von dem Erlebten berichten kann. Aber auch „Vorurteile“, wie z. B., dass diese Kinder oft nicht dem Schönheitsideal entsprechen, nutzen die Täter/Täterinnen als Deckmantel.

 

Täter/Täterin:

80-90% der Missbrauchenden sind männlich. Sie kommen aus allen sozialen Schichten, Kulturen und Bildungsständen. Sie sind hetero- oder homosexuell veranlagt. Es gibt keine äußeren Merkmale.

Es gibt aber auch weibliche Täterinnen. Allerdings liegen über sie noch keine Studien.

In 75% der Fälle von sexueller Gewalt an Kindern ist der Täter/die Täterin dem Kind bekannt. Die Täter/Täterinnen kommen oft aus der Familie, dem Bekanntenkreis oder sind andere dem Kind vertraute Bezugspersonen. Die Täter/Täterinnen erschleichen sich das Vertrauen des Kindes z.B. durch Geschenke, vorgespieltes Interesse und Aufmerksamkeit, Zuneigung usw. Sie wenden nur selten Gewalt an, um sich das Kind gefügig zu machen. Die Tat wird vom Täter/der Täterin „vorbereitet“ und geschieht selten spontan. Die Übergänge von Zärtlichkeit bis hin zum Missbrauch sind daher fließend.

Ansonsten lässt sich kein einheitliches Täterprofil beschreiben. Es gibt verschiedene Ursachenmodelle mit unterschiedlichen Faktoren, die zum Missbrauch führen können. Ein wesentliches Motiv bildet die Macht und Überlegenheit über das Opfer.

Es ist falsch alle Täter/Täterinnen als „krank“ zu bezeichnen. Damit läuft man Gefahr, dass der Eindruck entsteht, dass die Täter/Täterinnen für ihre Taten nicht verantwortlich sind.

Sexuelle Übergriffe finden auch bei Kindern untereinander statt. Gründe können hier z.B. sein, dass das Kind selbst sexuelle Gewalt erfahren hat, dass es dominieren will oder dass es Schwierigkeiten hat die eigenen Grenzen und die der anderen einzuhalten. Dann brauchen beide Seiten unbedingt professionelle Hilfe!!!!

 

Prävention:

Der wichtigste Schutz vor sexueller Gewalt an Kindern ist die Erziehung im Alltag.

So ist es z. B. in Einrichtung ohne pädagogischen Auftrag wichtig, dass die Erwachsenen den Kindern respektvoll und achtsam begegnen.

In der Familie sollten die Kinder Liebe und Respekt von Seiten der Eltern und aller Erwachsenen erfahren. Die Persönlichkeit der Kinder sollte ernst genommen werden. Die Selbstbestimmung der Kinder sollte gefördert werden, indem z. B. die Belange der Kinder und ihre Bedürfnisse nicht denen der Eltern untergeordnet werden. Kinder sollten ermutigt werden, sie selbst zu sein, ohne die Grenzen der anderen zu verletzen.

Für Einrichtungen mit pädagogischem Bildungsauftrag hat das Schulministerium konkrete Anforderungen erlassen, die eine präventive Erziehungsgestaltung als Ziel haben. Diese sind nachzulesen unter: Präventive Erziehung gegen sexuelle Gewalt an Kindern

 

Hilfreiche Links:

Broschüre der Kampagne „Kein Raum für Missbrauch“: Zur Broschüre "Kein Raum für Missbrauch"

Broschüre des BMFSFJ: Zur Broschüre des BMFSFJ

Fachartikel zu den Risikofaktorn und Folgen sexueller Gewalt an Kindern: Zum Fachartikel

Aufklärungsbroschüre der Polizei zu Missbrauch an Kindern: Zum Fachartikel

Fachartikel der Techniker Krankenkasse: Aufklärung der TK zum Thema Kindesmissbrauch

Autor
  • Miriam Cordes
  • Beruf: Diplom Pädagogin
Veröffentlichung
  • Kiggi
  • bei: Kiggi
  • am: 06.12.2016
  • Eltern und Erzieher
  • Kategorie: Kinder
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