Cyber­mobbing

Fotograf: Mirko Waltermann / pixelio.de

Das Internet ist entgegen der allgemeinen Meinung KEIN rechtsfreier Raum, aber die vermeintliche Anonymität und das Fehlen eines direkten Gegenübers führen oft zu einem rauen Umgangston. Ein beleidigender Beitrag oder ein verletzender Kommentar ist im virtuellen Medium für die Ewigkeit und das Opfer sehr real.

Im Internet-Jargon gibt es "Hater" und "Trolle". Hater (englisch "to hate" für hassen) rufen zu Hass-Attacken auf und hinterlassen aus Prinzip beleidigende und aggressive Posts. Trolle versuchen durch provozierende und möglichst nervige Kommentare andere aus der Reserve zu locken. Beide Typen (und Mischformen) sind in vielen Internet-Foren zu finden. Allerdings geht es ihnen meist darum, allgemeinen Unfrieden zu stiften, und sie konzentrieren sich selten auf eine bestimmte Zielperson. (Die Herkunft von "Troll" ist übrigens unklar. Mögliche Wurzeln sind der mythologische Troll, der unter Brücken lebt und ahnungslose Wanderer überfällt, und das englische "trolling"-Schleppnetzfischerei.)

Hater und Trolle lässt man am besten ins Leere laufen, indem man sie ignoriert. Ein bekanntes Schlagwort ist "Don't feed the troll" - Nicht den Troll füttern.

Cybermobbing ist gezielt persönlich und hat viele Gesichter:

  • Das Verbreiten von Unwahrheiten, Gerüchten oder Lügen
  • Personen beleidigen oder gar bedrohen
  • Personen ignorieren oder ausschließen (zum Beispiel in Facebook- oder WhatsApp-Gruppen)
  • Das Einrichten von Hassgruppen gegen bestimmten Personen
  • Das Erstellen gefälschter Profile um andere Personen bloßzustellen oder zu demütigen

Die Ziele solcher Attacken sind nicht wehrlos, Mobbing ist eine kriminelle Handlung und wird von der Polizei verfolgt! Seriöse Seitenbetreiber löschen Hass-Beiträge und Fake-Profile, wenn man sie auf den konkreten Fall hinweist.

Laut JIM-Studie 2014 waren etwa 17 Prozent aller Schülerinnen und Schüler, die das Internet nutzen, schon einmal von Cybermobbing betroffen. 38 Prozent kennen Cyber-Mobbing-Opfer.
Dabei stammen Täter zu 55 Prozent aus dem sozialen Umfeld der Schule. Oft sind mobbende Schüler auch ehemalige Opfer.

Eltern und Aufsichtspersonen erfahren von Vorfällen meistens erst, wenn die Situation ins "echte Leben" eskaliert. Frühe, leider unspezifische, Warnsignale können sein:

  • Gesundheitliche Probleme: Unter anderem Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, häufige Fehlzeiten, Schlafprobleme und Verstimmung.
  • Verhaltensänderungen: Plötzliche Verschlossenheit, Leistungsabfall, Stimmungsschwankungen, Rückzug von Freunden und Familie.
  • Leugnen: Mobbing-Opfer leugnen bei ersten Gesprächen mit Erwachsenen meist Vorfälle oder versuchen, diese zu verharmlosen.
  • Internet-Auszeit: Manche Kinder und Jugendliche nutzen Smartphone und Computer auffallend weniger oder schalten das Gerät ab, wenn Eltern und Freunde das Zimmer betreten.

Viele Kinder und Jugendliche haben Skrupel, Vorfälle bei Eltern oder Aufsichtspersonen zu "verpetzen". Hier kann juuuport helfen: juuuport.de ist eine von der Niedersächsischen Landesmedienanstalt initiierte Selbsthilfe-Plattform. Ehrenamtliche jugendliche „Scouts“ beraten Gleichaltrige zu Internet-Problemen wie Cyber-Mobbing, Internetbetrug oder Urheberrechtsfragen.
Die Scouts werden von (erwachsenen) Experten geschult, und helfen sowohl im öffentlichen Forum als auch privat via Email.

Die "Nummer gegen Kummer" hilft Kindern, Jugendlichen und Eltern anonym per Handy, Telefon und Chat.

Wenn ein Vorfall bekannt wird:

  • Sammeln Sie Fakten: Screenshots, Nutzernamen, Datum, Uhrzeit
  • Konfrontieren Sie den Täter, wenn bekannt, persönlich. Der Verlust der Anonymität kann helfen, diesen in die Schranken allgemein anerkannter Umgangsformen zu verweisen.
  • Ermitteln Sie den Seitenbetreiber über Impressum oder Nutzungsbedingungen, und fordern Sie ihn dazu auf, die betreffenden Inhalte zu löschen.
  • In schwierigen Fällen Anzeige erstatten.

Am besten ist Prävention:

  • Dem Umfeld (Familie, Schule, Verein, etc) muss bewusst sein, dass es sich bei Cybermobbing um ein ernstzunehmendes Thema handelt.
  • Das Kind muss darauf vertrauen können, dass seine Probleme nicht verharmlost werden.
  • Ignorieren Sie bei der Medienerziehung nicht die negativen Seiten der neuen Medien. Ein allgemeines Internet- oder Handyverbot führt nur dazu, dass Ihr Kind unvorbereitet ist.

 

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