Freispiel - eigengestaltetes Spiel

Mandy Niemann, freie Fotografin

Abgrenzunug Freispiele zu gelenkten Spielen 

Vom Freispiel Sprechen wir bei Gruppen jüngerer Kinder einschließlich des Grundschulalters. lm Freispiel beschäftigen sich die Kinder weitgehend selbstbestimmt, wobei es sich um Einzelspiel, Spiel in Kleingruppen oder auch in Ausnahmefällen um Spiel in der Gesamtgruppe handeln kann. Die Erzieherin unterstützt das Spiel der Kinder, lenkt es aber nicht.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen wird das Wort Freispiel gewöhnlich durch Freizeit ersetzt, weil die eigengestaltete Zeit nicht nur für Spiel genutzt wird. Von den Jugendlichen werden unterschiedliche Tätigkeiten - auch außer Haus - vorgenommen wie Besuche bei Freunden oder Vereinen, Aktivitäten wie Kochen, Basteln, Malen, Fahrradfahren, Computerspiel, Musikhören, Fersehen usw.

Das Gegenstück zum Freispiel sind gelenkte Spielprogramme, die von Gruppenleiter/innen geplant, organisiert und geleitet werden, beispielsweise Naturwahrnehmungsspiele. Spiele im Kreis, eine Rallye, die Erstellung eines Werkstücks, ein Eltern-Kind-Fest, eine Spielrunde zum gegenseitigen Kennenlernen der neuangekommenen Kinder oder Jugendlichen in der Freizeit, ein Spielenachmittag anlässlich einer Geburstagsfeier in der Heimgruppe.

Die beiden Spielarten unterscheiden sich hinsichtlich der Leitung und Organisation des Spiels durch den Gruppenleiter: Freispiel bedeutet möglichst geringe direkte Lenkung. Angeleitete Spielprogramme verlangen Lenkung. Dazwischen liegen zahllose Spielformen, in denen das Spiel vorübergehend, auch mal stärker oder schwächer, gelenkt wird oder die Führung von Gruppenmitgliedern übernommen werden kann.

 

Freispiel im Kindergarten

Kinder im Kindergarten haben am Morgen zunächst reichlich Zeit, in der sie nach ihren Bedürfnissen spielen können. Der Raum ist in Kindergärten weitgehend so gestaltet, dass die Kinder sich in abgetrennte Ecken zu verschiedenen Spielformen in Kleingruppen zusammenschließen oder auch alleine spielen können. Nebenräume werden, so weit möglich, einbezogen.

Bei offenen Gruppen sind die Räume meist für jeweils eine Spielart eingerichtet. Spieldauer, Spielmaterial, Spielpartner und - im Rahmen der Möglichkeiten - Spielort können von den Kindern selbst gewählt werden.

Regeln des Freispiels sorgen dafür, dass das Spiel nicht im Chaos endet. Solche Regeln sind zum Beispiel: Spielmaterial aufräumen, wenn ein neues Spiel begonnen wird; das Frühstück am dafür vorgesehenen Ort einnehmen; oft auch: der Erzieherin Bescheid sagen, wenn man den Raum verlässt. (Es ist darauf zu achten, dass das Kind die Erzieherin nicht fragt, weil das Fragen von einer Genehmigung abhängt und deshalb die Selbstbestimmung des Kindes reduziert und die Fremdbestimmung der Erzieherin erhöht wird. Wenn das Kind Bescheid sagt, wird die Hierarchie zwischen Erzieherin und Kind verringert.)

Es gibt ausgesprochene und erklärte Regeln, wie die oben genannten. Andere Regeln werden als selbstverständlich angesehen und deshalb oft nicht formuliert: „Jeder isst nur das eigene Frühstück.“ „Spielzeuge aus dem Kindergarten dürfen nicht mit nach Hause genommen werden.“ Darüber hinaus gibt es Regeln, die in manchen Einrichtungen bestehen, in anderen kommt man ohne sie aus, zum Beispiel: „Es dürfen nicht mehr als vier Kinder in der Puppen- oder der Bauecke spielen.“

 

Manchmal ist "Weniger" ist "mehr"

Manchmal werden mehr Regeln als nötig eingesetzt, weil sie die Gruppenleitung zu erleichtern scheinen. Regeln, die für die Gruppenmitglieder uneinsichtig sind und sie unangemessen einschränken, rufen aber Konflikte hervor oder bringen die Spieler in problematische Entscheidungssituationenen. Wenn beispielsweise eine kleine Gruppe zusammen spielt und jetzt ihr Spiel im Flur oder in einer Spielecke fortsetzen möchte, für die eine Teilnehmerbegrenzung vorliegt, geraten sie in Probleme. Sie können beispielsweise nichtzu dritt im Flur weiterspielen, weil nur zwei Spieler erlaubt sind. Sie müssen einen Mitspieler ausschließen.

Abgesehen von fragwürdigen Regeln werden die Erzieherinnen grundsätzlich von Zeit zu Zeit die Regeln überprüfen, um sie auf ein nötiges Mindestmaß zu beschränken, denn die Selbstbestimmung des Kindes soll im Freispiel so hoch wie möglich sein.

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