Integrative Pädagogik

Definition "Integrative Pädagogik"

Wikipedia bezeichnet unter integrativer Pädagogik das "Einbeziehen besonderer Eigenschaften, Verhaltens- und Denkweisen in das Bildungs- und Erziehungssystem". Integrative Pädagogik führt also etwas zusammen, was vorher ausgeschlossen (Exklusion) oder separiert (Segregation) war. Integration ist aber nicht mit Inklusion gleichzusetzen. Der Unterschied besteht darin, dass bei einer integrativen Pädagogik die Gruppen zwar nebeneinander, jedoch nicht wirklich gemeinsam im Beziehungssystem stehen (Eingliederung). Die inklusive Pädagogik geht einen Schritt weiter und schließt alle Beteiligten ein und passt sich in ihrer Gesamtheit den individuellen Bedürfnissen aller Handelnden an.

 

Die integrative Kindertagesstätte 

Im engeren Sinn und auf den Bereich der Kitas übertragen bezeichnet die integrative Pädagogik die Einbeziehung benachteiligter Kinder, d.h. Kinder mit Behinderung, in eine Kindertagesgruppe. Die inklusive Pädagogik geht hier einen Schritt weiter und setzt die Prämisse, dass alle Kinder das Recht haben, in gleichberechtigter Gemeinschaft zu leben, voneinander zu lernen ungeachtet ihrer individuellen Stärken und Schwächen. In der täglichen Arbeit einer Kita bedeutet dies, die benachteiligten Kinder nicht in bestehende Strukturen zu zwängen, sondern ein Beziehungsgefüge zu schaffen, das sich eigenständig und dynamisch an die Situation anpasst. Mit dem inklusiven Ansatz wird also versucht, die bei einem integrativen Ansatz noch immer bestehende Differenzierung zwischen "behindert" und "nicht behindert" zu überwinden, und die Individualität und Unterschiedlichkeit der Kinder als Bereicherung für die Gruppe zu betrachten.

In der Literatur wird bei der integrativen Pädagogik nochmals zwischen einer zielgleichen und zieldifferenten Integration gesprochen. Wie es der Name schon sagt verfolgen bei einer zielgleichen Integration alle Kinder das gleiche Bildungsziel, während die zieldifferente Integration die Ziele in Anlehnung an die Fähigkeiten der betreuten Kinder individuell anpasst.

 

Ziele der integrativen Pädagogik

Generell verfolgt die integrative Pädagogik folgende Zielsetzungen:

  • Gemeinsam voneinander Lernen und Profitieren
  • Stärkung des Selbstbewusstseins insb. der Schwächeren durch das Gefühl der Dazugehörigkeit
  • Gemeinschaftliches Erfahren der Lebenswelt unter Einbeziehung der entwicklungsbedingten Differenzen
  • Stärkung der gegenseitigen Rücksichtnahme und Toleranz
  • Übernahme von Verantwortung gerade gegenüber den Benachteiligten
  • Abbau von Hemmschwellen, Vorurteilen oder Berührungsängsten
  • Zusammenführen von unterschiedlichen Lebensformen in einer Gruppe
  • Gewährleistung der Chancengleichheit für alle Kinder
  • Förderung der sozialen Integration
  • Stärkung und Entwicklung der Kinder zu eigenverantwortlich handelnden Menschen mit eigener Persönlichkeit

 

Integrative Pädagogik und Elternkooperation

Wichtiger Bestandteil der integrativen Pädagogik ist die enge Zusammenarbeit mit den Eltern als wichtigste Bezugspersonen des Kindes. Eltern und Erzieher müssen eine vertrauensvolle Erziehungsgemeinschaft bilden und den Verarbeitungsprozess gemeinsam durchlaufen. Nur so ist es möglich, im Fall von Entwicklungsabweichungen schnell die richtigen Gegenmaßnahmen einzuleiten, ohne Gefahr zu laufen, auf mangelnde Akzeptanz seitens der Eltern zu stoßen. Es sind in erster Linie die pädagogischen Fachkräfte, die um die typischen Probleme von Eltern mit behinderten Kindern wissen. Dieses Verständnis muss gegeben sein um sicherzustellen, dass die Eltern mit den sich stellenden Aufgaben wachsen und nicht daran zerbrechen. Folgende Aspekte sollten bei der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita im Rahmen einer integrativen Pädagogik bedacht werden:

 

  • Schaffung eines nachhaltigen Vertrauensverhältnisses
  • Regelmäßiger Austausch zum Entwicklungsstand
  • Übernahme der Beratungsrolle durch die pädagogischen Fachkräfte
  • Gemeinsames Festlegen, Kontrollieren und Justieren von Zielsetzungen
  • Unterstützung der Eltern bei administrativen Fragen rund um das Thema Behinderung
  • Gemeinschaftliche Begleitung des Enzwicklungsprozesses

 

Rechtliche Verankerung 

Rechtlich verankert ist die Verpflichtung das Bildungssystem inklusiv zu gestalten in der "UN-Behindertenrechtskonvention, Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen". Diese ist seit März 2009 ratifiziert und damit geltendes Recht. Die Länder haben sich dazu verpflichtet, die Konvention, die ein neues Leitbild vorsieht und das weit über die Integration hinausgeht, in ihrer Bildungspolitik umzusetzen. Interessierten Lesern sei an dieser Stelle auch der Leitfaden zur Integration von behinderten Kindern bis 14 Jahren in Kindertageseinrichtungen empfohlen.

  

Literaturhinweise:

  • Dichans, Wolfgang: Der Kindergarten als Lebensraum für behinderte und nichtbehinderte Kinder, Kohlhammer, 2. Aufl. 1993
  • Heimlich, Ulrich: Behinderte und nichtbehinderte Kinder spielen gemeinsam, Klinkhardt 1995
  • Heimlich, Ulrich: Integrative Pädagogik - Eine Einführung, Kohlhammer 2003
  • Siebert, Birger:  Integrative Pädagogik und die Kulturhistorische Theorie, Lang, Peter GmbH, November 2009 
  • Ziemen, Kerstin: Integrative Pädagogik und Didaktik, Shaker Verlag 2003

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