Geschwisterrivalität

Fotograf: Nicole Celik / pixelio.de

Definition:

Unter Geschwisterrivalität versteht man die Konkurrenz von Geschwistern untereinander. Diese Konkurrenz ist positiv, da sie die Ich-Identität des Kindes fördert. Sie trägt dazu bei, dass sich die Kinder mit dem eigenen Wünschen und Fähigkeiten auseinander setzen, aber auch die Bedürfnisse des anderen erkennen und akzeptieren können.

Eine Geschwisterrivalität kann aber auch zum Kampf um Liebe und Zuneigung der Eltern werden. Besonders anfällig sind Geschwisterkonstellationen, bei denen es sich um gleichgeschlechtliche Geschwister mit einem geringen Altersunterschied handelt. Ebenso relevant ist die Stellung des einzelnen Kindes innerhalb der Geschwisterreihenfolge.

 

Mögliche Ursachen und Erscheinungsformen:

Ein Aspekt der Geschwisterrivalität ist das Gefühl der Eifersucht. Zur Eifersucht kann es kommen, wenn ein zweites Kind geboren und das erste somit „entthront“ wird. Denn dann verliert das erste seine Rolle innerhalb der Familie. Es muss nun die Aufmerksamkeit der Eltern teilen. Daraus kann die Angst entstehen, die Zuneigung der Eltern ganz zu verlieren. Da sich der Alltag des Erstgeborenen durch die Geburt eines Geschwisterchens verändert, fühlt sich das Kind verunsichert. Da ein Kleinkind noch nicht gelernt hat mit negativen Gefühlen konstruktiv umzugehen, kann es zu auffälligen Verhaltensstrategien kommen. Das ältere Kind reagiert z. B. aggressiv auf das neue Geschwisterchen, indem es dem jüngeren körperlichen Schaden zufügt. Oder es zieht sich ganz zurück. Oder es fällt auf den vorherigen Entwicklungsstand zurück, in dem es z. B. wieder einnässt oder Probleme beim Schlafen bekommt. Das Kind versucht so das negative Gefühl loszuwerden und einen Ausgleich zwischen der Nähe zur Mutter, Liebe zum Säugling und dem eigenen Bedürfnissen nach Selbständigkeit zu finden.

Ein zweiter Aspekt der Geschwisterrivalität ist der Neid. Diese Art der Geschwisterrivalität tritt besonders bei älteren Geschwistern auf. Die starke Ähnlichkeit durch den geringen Altersunterschied im Aussehen, der Eigenschaften und Fähigkeiten führen oft zu Konkurrenzverhalten und Rivalität untereinander. Es entsteht ein Kampf um die Liebe und Zuwendung der Eltern. Die Rolle innerhalb der Familie muss immer wieder neu erobert und festgelegt werden. So kann einen Konfliktdreieck zwischen den Kindern und den Eltern entstehen. Die Kinder streiten sich untereinander, die Eltern greifen ein und ergreifen für ein Kind Partei. Durch dieses Verhalten kann die Geschwisterrivalität noch verstärkt werden.

 

Umgang:

Um einer negativen Geschwisterrivalität entgegen zu wirken, ist es wichtig jedes Kind als Individuum mit seinen eigenen Stärken und Schwächen zu sehen.
Jedes Kind sollte das gleiche Maß an Aufmerksamkeit bekommen. Natürlich braucht ein Neugeborenes mehr Pflege und mehr Zeit der Eltern. Dann ist es wichtig, dass es gleiche Zeiten auch für das ältere Kind gibt, z.B. durch das Beibehalten von festen Ritualen und das Reservieren von Zeiten, in denen die Eltern ausschließlich etwas mit einem Kind unternehmen. Ebenso wichtig ist es ältere Kinder am Familiengeschehen zu beteiligen. Diese kann bereits vor der Geburt stattfinden, in dem z.B. über das Geschehen in der Schwangerschaft mit ihm gesprochen wird und es die Veränderung der Mutter während der Schwangerschaft sehen und spüren kann. Während des Überganges von der Schwangerschaft zur Geburt sollte der Kontakt zum Babysitter aufgebaut

werden, so dass das ältere Kind während der Geburt und der Zeit im Krankenhaus nicht das Gefühl bekommt, abgeschoben zu werden. Zuhause kann es dann in die Pflege des neuen Geschwisterchens miteinbezogen werden, in dem es kleinere Aufgaben übernimmt. Somit wird auch die Selbständigkeit des älteren gestärkt und dem Zurückfallen auf die vorherige Entwicklungsstufe entgegengewirkt. Wenn das ältere Kind dennoch zurückfällt, ist es wichtig darauf mit Verständnis zu reagieren. Die Vorzüge der Selbständigkeit sollten immer wieder hervorgehoben werden. Reagiert das ältere Kind mit „schlechten“ Gefühlen auf das neue Geschwisterchen, so sollten diese nicht verurteilt sondern ernst genommen werden. Druck, das neue Geschwisterchen lieben zu müssen, sollte vermieden werden. Wenn es das nicht in dem Maß kann, wie es von ihm erwartet wird, kann es zu Schuldgefühlen kommen.

Auch bei Geschwisterrivalität unter älteren Geschwistern ist es wichtig die Unterschiede zwischen beiden Persönlichkeiten zu verstehen, zu akzeptieren und zu schätzen. Vergleiche, in denen die Stärken oder Schwächen des jeweils anderen hervorgehoben werden, sollten von den Eltern vermieden werden. In Konfliktsituationen sollte den Kindern gezeigt werden, wie sie verbal zu einer sinnvollen Lösung gelangen können. Um ein Konfliktdreieck zu vermeiden, sollte der Streit unter den Geschwistern von den Eltern ignoriert werden, solange keine körperliche Misshandlung oder starke Beschimpfungen entstehen, die Probleme nicht weitere Familienmitglieder betreffen und das Problem nicht immer wieder auftritt.

Auch die Gesellschaft kann einer negativen Geschwisterrivalität entgegenwirken, in dem sie den Leistungsdruck vor allem in der KiTa verringert. Auch hier sollte der Fokus auf den Kompetenzen und Stärken des einzelnen Kindes liegen.

 

Hilfreiche Links:

Unerzogen-magazin.de: Geschwisterrivalität: Zum Fachartikel "Geschwisterrivalität"

Vaterfreuden.de: Geschwisterrivalität: Zum Fachartikel "Geschwisterrivalität"

Kindaktuell.at: Geschwisterrivalität: Zum Fachartikel "Geschwisterrivalität"

 

 

 

Autor
  • Miriam Cordes
  • Beruf: Diplom Pädagogin
Veröffentlichung
  • Kiggi
  • bei: Kiggi
  • am: 22.07.2016
  • Eltern
  • Kategorie: Kinder
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